Your Malt – Dein eigener Whisky!

Ein eigenes Fass, eine eigene Abfüllung oder gar eine eigene Distillery – die Träume von Whiskyliebhabern weltweit sind so verschieden wie im Kern identisch, aber eben oft unerreichbar.

Ich stand vor einigen Monaten genau an der selben Stelle wie viele Malt-Gourmands, die nicht nur kosten, sondern kreieren, nicht nur trinken, sondern selbst etwas schaffen wollten, etwas Einzigartiges und Persönliches.

Nach vielen Besuchen in Destillerien und Gesprächen mit Fachleuten rückte das Finishing in den Fokus, die Vollendung eines bereits guten Malts durch eine neue Note, eine persönliche Note.

Das erste kleine 5 Liter Fass aus einer ehemaligen Sherry-Belegung stand kurze Zeit drauf im Wohnzimmer und wartete geduldig auf die Auswahl des geeigneten Whiskys.

Die Wahl fiel, zugegebenermaßen vorsichtig, auf einen Auchentoshan American Oak, den einzigen Auchentoshan in reiner Bourbon-Reife. Ja, eine Sherry-Note würde ihn vermutlich Richtung Heartwood oder gar Richtung Threewood treiben, aber ich wollte für mich selbst herausfinden, was ich mit meinem kleinen Finishing erreichen konnte.

1.10.2015 – Es geht los!

7 Flaschen Auchentoshan Amercian Oak wurden in das kleine Fass gefüllt. Verschlossen steht es nun im Kühlen und darf arbeiten.

1.11.2015 – Die erste Probe wird genommen.

Heute habe ich die erste Probe genommen und probiert. Wie man sieht, hat der Sherry im Holz schon fleißig seine Arbeit getan und bereits nach einem Monat ist eine sichtbare Farbveränderung eingetreten.

Auch der Geschmack hat sich verändert. Sofort steigen einem fruchtige Aromen in die Nase, die auch deutlich zu schmecken sind.

Das Fass ist nun wieder verschlossen und darf weitere 5 Wochen vor sich hin reifen.

1.12.2015 – Die zweite Probe wird genommen.

Mit Spannung habe ich die zweite Fassöffnung erwartet und nun war es so weit. Einmal das Fass gut durchschütteln, den Verschluss entfernen und schon riecht das Zimmer wieder nach Schottland.

Interessanterweise hat sich die Farbe diesmal nicht mehr ganz so sehr verändert, auch wenn der Whisky durchaus eine Nuance dunkler wurde.

Geruch und Geschmack haben sich aber durch den Sherry noch einmal deutlich in Richtung Trockenfrucht verschoben. Es geht langsam Richtung Threewood, wobei die schwere Süße des Pedro Ximinez fehlt. Vielleicht wäre ja ein zweites Finishing in einem Cognac-Fass was?

Das Fass ist jetzt wieder verschlossen und die Reise auf dem Weg zum eigenen Finishing geht weiter.

9.01.2016 – Es ist soweit: Der erst MacRaph wird abgefüllt

Heute ist es soweit, der Auchentoshan American Oak liegt seit 100 Tagen im Fass und damit ist es Zeit, ihn von seiner Ruhe zu erlösen und in Flaschen zu füllen.

Nach einer letzten Probe und der Erkenntnis, dass mehr Sherry wohl nicht geht, ging es ans Werk: 5 Liter Whisky wurden gefiltert und abgefüllt, verkorkt und beklebt.

Als Marke für das erste eigene Finishing habe ich mich für „MacRaph“ entschieden. Die erste Kreation trägt den treffenden Namen „100 Days of Sherry“.

Insgesamt kann ich das Projekt damit als vollen Erfolg bezeichnen. Der Whisky schmeckt wie ich es mir erhofft hatte und auf dem Weg dorthin habe ich viel über die Phasen der Geschmacksaufnahme aus dem Fass gelernt.

Als nächstes kann ich mich also ruhigen Gewissens an einen New Make wagen und diesem einen eigenen Geschmack verpassen. Aktueller Favorit ist dabei der Spirit Drink von Kingsbarns und es wird wohl eine Bourbon-Sherry-Reifung werden.

Aber jetzt genieße ich erstmal meinen eigenen Whisky und stoße auf ein gelungenes Projekt an.

slàinte mhath, Ihr Raphael L. Thierschmann