Aktuelles Tasting: Johnnie Walker Blue Label

Guten Whisky bekommt man durchaus für überschaubare Preise, dazu muss man nicht immer gleich 100€ oder mehr ausgeben. Ich möchte sogar so weit gehen, dass ab einer gewissen Preisklasse das Geschmackserlebnis im Verhältnis zum Preis nicht mehr wesentlich ansteigt. Aber von solchen Whiskies sind Normalsterbliche wie wir sowieso weit entfernt.

Natürlich haben Einzelfass-Abfüllungen und Altersklassen jenseits der 30 Jahre etwas für sich und der Preis ist oftmals nachvollziehbar, aber ob das Geschmackserlebnis den hohen Preis wirklich rechtfertig, ist manchmal fraglich oder zumindest sehr subjektiv.

Umso neugieriger war ich, als ich eine Flasche Johnnie Walker Blue Label geschenkt bekam, den Klassiker unter den Premium-Blends. Bei einem Preis, der selten unter 120€ pro Flasche fällt, waren meine Erwartungen entsprechend hoch. Auch wenn ich von der Sichtweise „nur ein Blend“ spätestens seit den japansichen Whiskies oder auch den Douglas Laing Abfüllungen weg bin, ist man ob der Preise für Red oder Black Label dann doch gespannt.

Tasting Notes:

Komplex. Das ist der Begriff, den man beim Riechen und Verkosten stetig im Kopf hat. Komplexe Aromen aus Sherry, Rauchnoten, Würze und Eiche, hervorragend komponiert, so dass keine Richtung zu extrem, keine Note zu stark aber auch kein Bestandteil versteckt bleibt. Überrascht war ich über den angenehm rauchigen Abgang mir Holz- und Seegrasnoten. Nicht zu herb, aber auf jeden Fall spürbar. Insgesamt ist der Blue Label ausgewogen, warm und eher mild.

Meine Meinung:

Die Qualität eines Blends erkennt man neben der Auswahl der Malts vor allem auch am Anteil von Grain- im Verhältnis zum Malt-Whisky. Beim Johnnie Walke Blue Label finden sich teilweise 50-Jahre alte Single-Malts (wie der Blair Athol) wieder und der Anteil an Malt beträgt 80%. Ein Qualitätsprodukt ist er also allemal. Auch die Komplexität ist beeindruckend, ABER: Hätte ich mir eine Flasche davon gekauft? Ich bin mir nicht sicher. Ich freue mich über den Blend in meinem Regal, hätte aber wohl eher zu 2 richtig charakterstarken Single Malts gegriffen.

Das heißt nicht, dass der Blue Label ein schlechter Whisky ist. Ganz im Gegenteil. Er ist wunderbar ausgewogen und die absolute Krönung der Blends, aber vielleicht nur einfach nicht die Explosion, die ich für den Preis erwartet hatte.

 

Yourmalt-Note:

 

laga

Zu Johnnie Walke:

Die durch ihre eckigen Flaschen mit den schrägen Etiketten bekannte Marke hat eine lange und spannende Geschichte, von den ersten Blending-Versuchen von John Walker bis hin zur Weltmarke.

Schön zusammengefasst wird diese Geschichte in einem Spot von Johnnie Walker „The Man who walked the earth“